Apersys x Custom Medical: Apvia – Nutzerzentrierte User Experience als Schlüssel zur sicheren Bedienung der lebensrettenden Plattform

Blog

6. Februar 2026

UX

In der Transplantationsmedizin entscheiden oft Minuten über Erfolg oder Misserfolg. Gleichzeitig steigt der Druck auf Ärzte und Klinikpersonal, mit immer komplexeren Technologien sicher und effizient zu arbeiten. Genau in diesem kritischen Spannungsfeld bewegt sich die Apersys AG mit einer klaren Mission: Spenderlebern außerhalb des Körpers bis zu sieben Tage vital zu erhalten. Dieser technologische Durchbruch schafft neue, entscheidende Zeitfenster und erhöht die Verfügbarkeit lebensrettender Organe.

Mit dem technologischen Fortschritt wächst jedoch auch die Komplexität der Systeme. Damit innovative Medizintechnik ihren klinischen Nutzen tatsächlich entfalten kann, ist eine exzellente User Experience (UX) entscheidend. Nur wenn ein hochkomplexes System klar strukturiert, intuitiv erfassbar und auch unter Stress sicher bedienbar ist, kann es im klinischen Alltag zuverlässig eingesetzt werden.

Mit langjähriger Erfahrung in der Gestaltung kritischer und medizinischer User Interfaces unterstützte Custom Medical die Apersys AG dabei, das Apvia-System mit einer nutzerzentrierten UX auszustatten. Im Fokus stand eine hohe Usability als sicherheitsrelevanter Kern der UX – mit dem Ziel, Risiken aktiv zu reduzieren und Anwender:innen auch unter Zeitdruck und in Stresssituationen zuverlässig zu führen. In diesem Blogpost erfahren Sie, wie ein konsequent nutzerzentrierter UX-Ansatz ein hochkomplexes MedTech-System sicher, verständlich und effizient bedienbar macht.

1. Warum Usability als sicherheitskritischer Kern der UX kein „Nice to have“ ist

Sicherheit als regulatorische und gestalterische Kernanforderung

In der Medizintechnik ist Usability kein Komfortmerkmal, sondern eine regulatorisch geforderte Voraussetzung für Sicherheit. Für Apvia als aktives Medizinprodukt bedeutet das konkret:
Für den europäischen Markt sind die Anforderungen der EU Medical Device Regulation (MDR) in Verbindung mit der IEC 62366-1 (Usability Engineering for Medical Devices) maßgeblich. Für den US-amerikanischen Markt sind die Vorgaben der FDA-Guidance „Applying Human Factors and Usability Engineering to Medical Devices“ relevant. Vor diesem Hintergrund wurde Usability bei Apvia nicht als nachgelagerte Designaufgabe verstanden, sondern von Beginn an als integraler Bestandteil der Produktentwicklung verankert. Ziel war es, durch Gestaltung Risiken zu reduzieren, die aus potenzieller Fehlbedienung (use errors) entstehen können – insbesondere in zeitkritischen und hochsensiblen Anwendungssituationen.

Ein zentrales sicherheitsrelevantes Anwendungsszenario ist beispielsweise der Anschluss der Spenderleber an das System – einem Schritt, der über den Erhalt oder Verlust eines Organs entscheiden kann. In frühen Phasen zeigte sich, dass selbst technisch versierte Nutzer:innen für die korrekte Einrichtung viel Zeit benötigten (ca. 120 Minuten) und der Prozess fehleranfällig war. Im weiteren Entwicklungsverlauf wurde dieser komplexe Vorgang strukturell neu gedacht: Ein klar geführter, sequenzieller Workflow stellt sicher, dass notwendige Schritte vollständig und in der richtigen Reihenfolge ausgeführt werden. Das Überspringen oder Verwechseln sicherheitskritischer Aktionen wird dadurch systematisch verhindert. Jetzt ist ein ungeschulter (!) Anwender durch die intuitive Schritt-für-Schritt-Anleitung in der Lage, diesen kritischen Prozess fehlerfrei in wesentlich kürzerer Zeit (weniger als 30 Minuten) zu bewältigen, was den Stress für das OP-Team minimiert und die Bereitstellung des Organs signifikant beschleunigt.

Signifikante Effizienz und Zeitersparnis als UX-Ergebnis

Neben der enormen Zeitersparnis beim Anschließen der Spenderleber an das System entfaltet Apvia seine Effizienzvorteile auch in der laufenden Überwachung der Leber. Die Herausforderung, zahlreiche relevante Parameter bereitzustellen, ohne Anwender:innen zu überfordern, wurde über einen Dashboard-zentrierten Ansatz gelöst: Die Leber steht visuell im Mittelpunkt, Zu- und Abflüsse sowie Echtzeitparameter werden klar verständlich dargestellt und können individuell angepasst werden. Unnötige Informationen blendet das System bewusst aus, sodass sich Anwender:innen ohne kognitive Überlastung auf das Wesentliche konzentrieren können. Dieser Ansatz spart in der Überwachungsphase wertvolle Zeit bei der Informationsaufnahme und macht die Bedienung von Apvia zu einem hochgradig effizienten Prozess, bei dem das User Interface sicher durch die Komplexität leitet.

Klare Alarmkommunikation statt Alarmmüdigkeit

Alarme sind im klinischen Alltag unverzichtbar – doch sie erfüllen ihre Funktion nur dann, wenn sie gut priorisiert und eindeutig interpretierbar sind. Apvia reduziert das Risiko der weit verbreiteten Alarm-Müdigkeit, indem das Warnungskonzept konsequent auf Klarheit und Relevanz ausgelegt wurde. Kritische Zustände werden visuell eindeutig hervorgehoben, während Hinweise geringerer Kritikalität bewusst dezenter kommuniziert werden.

Diese klare Priorisierung verhindert, dass Anwender:innen im Alltag von Alarmen überflutet werden, und stellt sicher, dass die Aufmerksamkeit auf jene Momente gelenkt wird, in denen tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Durch die Kombination aus ruhiger Informationsarchitektur und gezielter, eindeutiger Alarmkommunikation bleibt Apvia auch in Stresssituationen zuverlässig und vertrauenswürdig.

2. Der Return on Investment (ROI) einer konsequent nutzerzentrierten UX

 Die Investition in ein nutzerzentriertes Design liefert Apersys einen klar messbaren ROI, der weit über rein klinische Vorteile hinausgeht. Die optimierte User Experience von Apvia ist nicht nur ein Beitrag zur Sicherheit, sondern auch eine strategische Geschäftsentscheidung, die Einfluss auf Markteinführung, Betriebskosten und Marktpositionierung nimmt. Die hohe Usability fungiert dabei als messbarer Hebel innerhalb der UX-Strategie.

Schnellere Akzeptanz im Markt

UX entscheidet maßgeblich darüber, wie erfolgreich neue Technologien in Gesundheitswesen adoptiert werden. Studien von McKinsey unterstreichen, dass Design-orientierte MedTech-Unternehmen ein signifikant höheres Umsatzwachstum erzielen, da ihre Produkte schneller Vertrauen und Akzeptanz finden[1]. Wie bereits oben beschrieben, profitiert Apvia davon, dass die Bedienung logisch, konsistent und ohne aufwendige Einarbeitung verständlich ist. Dadurch sinkt der Schulungsaufwand erheblich, und die Hemmschwelle für den Kauf wird spürbar reduziert. Kliniken können Apvia schneller in ihre bestehenden Workflows integrieren, ohne umfangreiche Trainingsprogramme aufbauen zu müssen. Die hohe intuitive Bedienbarkeit wird so zu einem entscheidenden Verkaufsargument und beschleunigt die Adoption in der klinischen Routine.

Reduzierte Entwicklungs- und Supportkosten

Die konsequent nutzerzentrierte Gestaltung zahlte sich bereits in der frühen Entwicklungsphase aus. Durch die frühe Integration von UX-Design und formativer Evaluation konnte Apvia von Beginn an in die richtige Richtung entwickelt werden. Formative Studien halfen dabei, Annahmen zu überprüfen, kritische Nutzungsszenarien realistisch abzubilden und potenzielle Hürden frühzeitig sichtbar zu machen. Auf dieser Basis wurden mögliche Bedienfehler identifiziert und durch strukturelle Anpassungen im Interface-Design adressiert.

Dieser “Early-Stage”-Ansatz verhindert, dass grundlegende Usability-Mängel erst spät im Entwicklungsprozess oder gar in der finalen Verifizierungsphase entdeckt werden. Dadurch lassen sich kostenintensive Designänderungen und zeitliche Verzögerungen im Hinblick auf die regulatorische Einreichung vermeiden. Die UX-Strategie trägt somit maßgeblich dazu bei, die Entwicklungsressourcen effizient zu nutzen und von Anfang an die Weichen für ein Produkt zu stellen, das die Bedürfnisse der Zielgruppe punktgenau erfüllt.

Nachhaltiger Produktwert durch überzeugende UX

Technologische Innovationen können eingeholt werden – eine überzeugende User Experience wirkt langfristig. Apvia positioniert sich durch eine klare, moderne und funktional fokussierte Gestaltung als System, das Komplexität beherrschbar macht und Vertrauen schafft.

Diese Qualität wurde mit dem Red Dot Award: User Interface Design 2025 ausgezeichnet. Der Award würdigt nicht nur die visuelle Gestaltung, sondern insbesondere die funktionale Klarheit und den sicherheitsorientierten UX-Ansatz des Systems. Für Apersys stärkt dies die Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit, für Anwender:innen schafft es zusätzliches Vertrauen in das Produkt.

Fazit: UX ist nicht „ästhetisches Beiwerk“ – UX ist Voraussetzung für klinischen Erfolg

Apvia zeigt eindrucksvoll, wie stark sich technologischer Fortschritt und nutzerzentriertes Design gegenseitig verstärken können. Die hohe Usability als sicherheitskritischer Kern der UX ermöglicht eine sichere und nachvollziehbare Bedienung, beschleunigt komplexe Abläufe, reduziert Risiken und unterstützt effiziente klinische Abläufe.

Die Auszeichnung mit dem Red Dot Award: User Interface Design 2025 unterstreicht das Potenzial dieses Ansatzes. Für uns ist Apvia ein beispielhaftes Projekt dafür, wie eine konsequente UX-Strategie ein hochkomplexes MedTech-System in ein klar verständliches, präzise führendes Produkt transformieren kann – mit echtem Mehrwert für Anwender:innen, Hersteller und letztlich für Patient:innen.

Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie nutzerzentrierte UX dazu beitragen kann, komplexe MedTech-Systeme sicher, effizient und marktfähig zu gestalten?

  • Apersys Apvia Case Study: In unserer Case Study zeigen wir, wie wir bei Custom Medical ein hochkomplexes System wie Apersys Apvia so gestaltet haben, dass es sicher, verständlich und intuitiv bedienbar ist. Erfahren Sie, wie das User Interface entstanden ist und welche gestalterischen und methodischen Entscheidungen dahinterstehen – inklusive unseres exklusiven Red-Dot-Award-Videos. Weitere Informationen zur technologischen Basis finden Sie bei unserem Partner Apersys AG.
  • Kick-Ass Guide: Sie wollen noch besser verstehen, wie Sie dafür sorgen können, dass Ihr eigenes Design herausragend wird? Besuchen Sie unsere Seite „How to Design Compliant Kick-Ass Medical / Health User Interfaces“ und erhalten Sie die strategische Grundlage für exzellente Interfaces.
  • Hilfe bei Ihrem Medizinprodukt: Sie benötigen Unterstützung bei der Gestaltung oder Optimierung Ihres eigenen Medizinprodukts? Kontaktieren Sie uns für ein erstes unverbindliches Gespräch zum Austausch.

[1] McKinsey & Company (2018): „The Business Value of Design“. Die Studie untersuchte 300 Unternehmen über fünf Jahre und zeigte, dass Best-in-Class-Design (besonders bei komplexen medizinischen Geräten) die Markteinführungszeit verkürzt und die Nutzerbindung massiv erhöht.

Janina Kouvaris

UIG e.V.

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UIG e.V. Organisation für Nutzerfreundlichkeit und barrierefreies Design.

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